Corona - wider den Maskenzwang. Gegen die Angst und für die Versachlichung

Von Michael H. Mayer    2020-09-06

Die Aufgabe von Ärzten ist es, aufzuklären und den Menschen die Angst zu nehmen, die ihnen unter anderem von sensationsaffinen Medien eingejagt wird. Ich hatte mir eigentlich vorgenommen, mich nicht mehr zum Thema zu äußern (Motto: „Klappe halten und durch“), aber das gelingt mir nicht angesichts der grassierenden, besorgniserregenden Angst in Teilen der Bevölkerung, der offensichtlichen Furcht auch von Fachleuten, sich öffentlich gegen den Mainstream zu äußern, und der manchmal ausweglos erscheinenden Situation von Entscheidern in Wirtschaft und Behörden.

Was verstehen wir unter Fallzahlen? Was verstehen das RKI und die Politiker darunter?

Mehrere Corona-Testkits von verschiedensten Herstellern konkurrieren am Markt. Es ist den Herstellern gestattet, die Zuverlässigkeit ihrer Tests selbst zu zertifizieren. Diese fällt entsprechend unterschiedlich aus, wird jedoch bei der Veröffentlichung von Testergebnissen nicht angegeben. Aus Ringversuchen weiß man, dass mit (mindestens?) 1,4 % falsch positiven Ergebnissen gerechnet werden muss (die geringe Sensitivität, also die Falsch-Negativ-Wahrscheinlichkeit, spielt dagegen bei der sehr niedriger Prävalenz*, die wir haben, eine ganz untergeordnete Rolle). Wenn also bei 100.000 durchgeführten Tests 1.000 positiv ausfallen, ist das die Größenordnung, die als Fehlerquote zu erwarten ist. Im äußersten Fall wäre kein einziger Test in diesem Beispiel tatsächlich zutreffend positiv.

Was bedeutet ein positiver PCR-Testbefund? Man hat Bruchstücke von Virus-Substanz im Abstrich nachgewiesen, die zum SARS-Corona-Virus 2 passen. Er bedeutet weder, dass der Proband infiziert ist, noch, dass der Proband krank ist. Es ist irreführend, solche Testergebnisse als „Neuinfektionen“ oder „Fallzahlen“ zu veröffentlichen – noch dazu, ohne die Relation zwischen der Anzahl der Tests und der Anzahl der jeweiligen Testergebnisse sowie die Testvalidität anzugeben. Wenn z. B. ein halbes Prozent einer Bevölkerung ein bestimmtes Testergebnis X zeigt, dann bleibt dieser Prozentsatz selbstredend gleich, egal ob eine Million oder 10 Millionen getestet werden. Bei einer Million Tests beträgt die absolute Zahl der Ergebnisse mit X in diesem Beispiel ungefähr 5.000, bei 10 Millionen Test natürlich das Zehnfache, also 50.000. Es gibt Angestellte bei Zeitungsverlagen oder Fernsehsendern, die würden dann die Schlagzeile formulieren: Fallzahlen haben sich verzehnfacht. Ich vertraue hier auf den Verstand der Leser und erspare uns weitere Ausführungen zu diesem Phänomen.

Daraus dann behördliche Maßnahmen abzuleiten, deren Nebenwirkungen ignoriert oder negiert werden, ist verantwortungslos und pflichtvergessen. Tatsächliche Neuerkrankungen an COVID-19 oder auch nur Influenza-Like-Illness (ILI), um die sich die Gesundheitsämter und das Robert-Koch-Institut kümmern würden, gibt es nur wenige. Stattdessen werden Laborbefunde auf eine Art und Weise publiziert, die Zweifel an der Kompetenz der Verantwortlichen wecken.

Alltagsmasken für Gesunde sind nutzlos (und Kranke sollten besser zuhause bleiben).

Bereits Anfang Juni 2020 haben Vertreter der WHO darauf hingewiesen, dass asymptomatische Menschen nur selten das SARS-CoV-2 übertragen dürften. Die Vorstellung, die Bevölkerung werde durch Personen bedroht, die zwar gesund sind, aber unerkannte „Virusträger“ sein könnten und es versäumen, ihre Maske zu tragen, ist also mehr als fragwürdig.

Dass Kranke mit Symptomen, die husten und niesen, Andere vor Ansteckung schützen könnten, wenn sie eine Maske trügen, klingt zwar wenigstens noch logisch. Angesichts der geringen bis fehlenden Wirksamkeit der gängigen „Mund-Nase-Bedeckungen“ müssen wir uns aber auch von dieser illusorischen Vorstellung verabschieden. Gerade Husten- oder Nies-Stöße pfeifen entweder geradewegs durch das Maskenmaterial durch oder eben nach oben und seitlich an der Maske vorbei. Ein amerikanischer Kollege hat das eindrucksvoll per Video gezeigt. Für eine Schutzwirkung der sogenannten „Alltagsmasken“ gegen angeblich im Raume befindliche, unsichtbare infektiöse Aerosole gibt es keinerlei Evidenz, und es bedarf gedanklicher Anstrengung und Kreativität, sich eine solche Schutzwirkung physikalisch auch nur vorzustellen.

 

 

„MNS zu tragen, sobald man von seinem Arbeitsplatz aufsteht, wird ebenfalls zunehmend von mehreren Seiten als notwendig angesehen“, hieß es in einigen Medien. Wo ist die Evidenz für irgendeinen Nutzen, den solche Zumutungen für die Menschen haben? Machen die Urheber solcher Parolen sich Gedanken darüber, wie sich die Angst, die den Menschen permanent eingeflößt wird, auf unser Zusammenleben, auf Zusammenarbeit, Vertrauen, Kreativität, Produktivität auswirken?

Wir brauchen Aufklärung und rationales Handeln statt Panikmache und Aktionismus.

Das Gefährdungspotential von SARS-CoV-2 bewegt sich in der Größenordnung einer mittleren bis schweren Influenza. Entsprechend muss damit umgegangen werden. Wir haben gelernt, mit den jährlichen Influenzawellen umzugehen. Da kann man, auch im Rückblick auf vergangene Influenzajahre, noch Einiges besser machen. Aber das Generieren einer kollektiven Angststörung kann keine Lösung sein, nicht für COVID-19, nicht für Influenza, auch nicht für jede andere Infektionskrankheit. Der Schaden, der schon bisher durch den „Lockdown“ und weitere staatliche Maßnahmen angerichtet wurde, ist immens und steht in keinem Verhältnis zu dem beabsichtigten Nutzen.

Diese „Therapie“, die weit schlimmere Schäden anrichtet als die Krankheit, darf nicht fortgesetzt werden.

Für Fachleute und alle Interessierten: Deutsches Netzwerk Evidenzbasierte Medizin, COVID-19: Wo ist die Evidenz? Stellungnahme des EbM-Netzwerks (Update vom 04.09.2020)

* Prävalenz: Anteil der Erkrankten in einer Population zu einem bestimmten Zeitpunkt.

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