El-Mafaalanis „Integrationsparadoxon“ oder: Siegt Frechheit?

Von Michael H. Mayer

Unlängst im Rathaus trug der Soziologe Aladin El-Mafaalani seine These vor, zunehmende Konflikte seien gerade das Resultat einer gelingenden Integration von Migranten. Es komme zum Streit, weil gut integrierte Migranten mit eigenen Ansprüchen und Vorstellungen das Zusammenleben mitgestalten wollten. Er behauptet: „Erst durch die Bedingungen gelungener Integration wurde das Kopftuch zum Problem.“ Es sei ein Zeichen für die voranschreitende Integration, dass es zu Abwehrreaktionen und Verteilungskonflikten komme, auch zu Rassismus, weil andere ihre Privilegien aufgeben müssten. Folgt man El-Mafaalani, dann wären an den Integrationsproblemen die Einheimischen schuld, die um ihren Besitzstand fürchteten und nichts abgeben wollten.

Solche undifferenzierten Thesen verkürzen den Diskurs um Integration auf fatale Weise, kritisiert die Soziologin Necla Kelek. Das Kopftuch ist nicht zuletzt Symbol bewusster Abgrenzung und leugnet die Gleichberechtigung. Für El-Mafaalani scheint es kein Problem zu sein, dass sich in unserem Land Millionen Menschen in einer Parallel- oder Gegengesellschaft organisiert haben, deren beherrschende Kräfte nicht an einer Integration interessiert sind, sondern ihre Überzeugungen durchsetzen wollen.

Gerade in einer offenen Gesellschaft muss es Werte und Regeln geben, die nicht verhandelbar sind. Bei universellen Menschenrechten gibt es keinen Verhandlungsspielraum.

Dieser Beitrag ist am 28. November 2019 im Stuttgarter Amtsblatt erschienen.
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